Behind The Scenes FRIEDER WEISS

Teil 8

FRIEDER WEISS / Interaktives Videodesign

Frieder Weiss hat DUMMY mit seiner Videotechnik verwandelt. Wäre die „Behind the Scenes“ Serie eine Zeitung, würden wir ihm das Extrablatt widmen.

Eindrucksvolle Akrobatik, hinreißende Live-Musik – DUMMY lab ist ein Gesamtkunstwerk, verwirklicht von einem Team verschiedenster Künstler. Viele von ihnen wurden in der „Behind the Scenes“-Serie bereits gewürdigt. Es gibt jedoch noch ein besonderes Element, welches dieser Show ihren Glanz verleiht: Das interaktive Videodesign überrascht und fasziniert das Publikum und sorgt für einen Wow-Effekt abseits der Sehgewohnheiten.

Frieder ist ein „Ingenieur in den Künsten“. Am liebsten arbeitet er dort, wo Tanz und Videokunst sich begegnen. Dabei entwickelt er Software, die eine aufregende Schnittstelle zwischen diesen beiden Welten schafft. Seine künstlerischen Realisierungen finden ihren Weg auf internationale Bühnen und erhalten zahlreiche Preise.

+ Die Gäste fragen immer wieder:  Wie funktioniert das bloß?

Ein Kernstück der Technologie ist die Infrarotkamera. Sie sieht die Darsteller auch im Dunkeln und gibt das so aufgenommene Bild an einen Computer weiter. Darin verwandelt eine spezielle Software das Kamerabild in abstrakte Grafiken und visuelle Effekte. Diese werden dann deckungsgleich und ohne Zeitverzögerung wieder auf das Bühnengeschehen projiziert. So entsteht der Eindruck der Interaktion: Die visuellen Effekte reagieren live auf die Bewegungen auf der Bühne. Der Zuschauer sieht die Videoeffekte körperlich mit den Darstellern verschmelzen.

Wichtig ist noch, dass die Infrarotkamera das Licht der Projektionen selbst nicht erkennt. So kann die Software dann die Bewegungen der Darsteller präzise aus dem Videobild herausfiltern.

Bei DUMMY lab hat jedes Bühnen-Setting seinen eigenen Videoeffekt. Das heißt, dass die Bewegungen jedes Mal auf eine andere Art in Bilder umgesetzt werden.

+ Wie lange hat es gedauert, das Videodesign für DUMMY und DUMMY lab zu programmieren?

Für DUMMY haben wir damals 6 Wochen gebraucht, DUMMY lab haben wir in 3 Wochen eingerichtet. Der Aufwand war verhältnismäßig gering im Vergleich zur Produktion von „King Kong live on Stage“ 2013 in Melbourne. Das war mein bisher größtes Projekt, an dem ich 4,5 Monate intensiv gearbeitet habe. Aber ich liebe es, Produktionen zu machen. Bei der Arbeit am Rechner komme ich in einen „Flow“.

+ Woher kennst Du Eike und wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Ich kenne Eike über phase7 – ein Projekt von Sven Sören Beyer, bei dem ich immer wieder mitarbeite. Es gibt eine Art Seelenverwandtschaft bei uns: Eike ist aus der Artistenschule ausgebrochen, so wie ich damals aus meinem Beruf als Industrieingenieur. Ingenieur und Künstler treffen sich im Prozesspunkt, gewöhnlich ist der Künstler freier in der Zielsetzung seiner Arbeit als ein Ingenieur, der ja meist nach externen Vorgaben arbeitet. Das ist das Schöne an meiner jetzigen Arbeit – sie muss keinen direkten Nutzen erfüllen. Eike und ich haben herum gesponnen, was man machen könnte. Das CHAMÄLEON kannte ich vorher nicht, ich kannte vorher auch diese Art von Show nicht. DUMMY lab ist für mich ein wichtiger Schritt aus der technologischen Pionier und künstlerischen Avantgarde-Ecke der Tanzbühnen hin zu einem breitem Publikum. Das ist gut!

Das Videodesign von DUMMY lab ist das Ergebnis von mindestens 12 Jahren Entwicklungszeit in der Software und den Effekten.

1995-2003   Palindrome

Experimente mit Sound und erste visuelle Experimente           Schlamp – Emily Fernandez 2003, erstmaliger Nutzung von interaktiver Projektion

2006-2008  Chunky Move

Glow, Mortal Engine, Tanz Performance                           Zusammenarbeit mit: Gideon Obarzanek, Robin Fox, Ben Frost

2010  Kylie Minogue- Get Outta My Way

Music Video

2013  King Kong

Music Theater Produktion
Global Creatures, Sydney/Melbourne

Interaction and Projection Design

Frieder Weiss auf Youtube

 
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