Die Bühne als Fenster ins unendlich Mögliche

Interview

Am 23. Februar spielen wir die erste Vorstellung der Show MEMORIES OF FOOLS von der Zirkuskompanie Cirk La Putyka aus Tschechien. Bereits 2016 hatte uns die Kompanie mit ihrer phantasievollen, liebevoll-chaotischen Zirkuswelt verzaubert. Nun kehren sie mit ihrer neuesten Kreation zurück nach Berlin. Wir haben uns mit Anke Politz, Geschäftsführerin der CHAMÄLEON Productions und Künstlerischen Leiterin unseres Hauses, zum Interview getroffen und über die Zusammenarbeit mit Cirk La Putyka, das Besondere an der Kompanie und über den Zauber fantastischer Welten unterhalten.

CHAMÄLEON: MEMORIES OF FOOLS ist nach ROOTS aus dem Jahr 2016 bereits die zweite Produktion des Cirk La Putyka, die im CHAMÄLEON zu sehen ist. Wie kam es zu der Entscheidung, erneut zusammenzuarbeiten?

 

Anke Politz: Wenn man sich das Repertoire des Cirk La Putyka anschaut, wird schnell klar, dass die Kompanie einen ganz eigenen Stil verfolgt. Für mich steht Cirk La Putyka für eine eigene Bühnensprache und eine sehr spezifische Art des Neuen Zirkus. Bei unserem Bühnenprogramm ist es mir sehr wichtig, dass wir einen guten Querschnitt der aktuellen Zirkusentwicklungen abbilden und unseren Gästen einen Eindruck darüber vermitteln, was Neuer Zirkus alles sein kann. Dabei möchte ich Cirk La Putyka auf keinen Fall missen.

 

Bei MEMORIES OF FOOLS handelt es sich um eine ganz neue Produktion, die im CHAMÄLEON uraufgeführt wird. Wie kann man sich den Produktionsweg vorstellen?

 

Unsere erste gemeinsame Spielzeit mit ROOTS war ein unheimlich positives Erlebnis für uns alle und einfach eine sehr schöne Zeit – künstlerisch, aber auch menschlich. Wenn ich mich richtig erinnere, haben wir uns am Ende dann auch direkt mit den Worten „Bis gleich“ verabschiedet! (lacht) Die konkreten Gespräche gingen dann letztes Jahr im Mai los. Cirk La Putyka hatte uns zu einem kleinen Workshop eingeladen, in dem uns der Regisseur mit den Künstlern erste Inszenierungsideen gezeigt und das Thema beleuchtet hatte, um uns einen Eindruck zu geben, in welche Richtung es gehen soll. Seitdem läuft der konzeptionelle Prozess, der natürlich hauptsächlich beim Regisseur und bei Cirk La Putyka liegt. Wir sind immer mal als Gast dabei, sind aber kein aktiver Partner in der Ausarbeitung. Im Oktober gab es dann einen weiteren Workshop und seit Anfang Januar finden die Proben in Prag statt.   

 

 

Du hast bereits gesagt, dass Cirk La Putyka deiner Meinung nach eine ganz eigene Bühnensprache hat. Wie würdest du diese Bühnensprache beschreiben?

 

Ich denke, einer der Hauptunterschiede ist, dass die Kompanie und das Kernensemble nicht aus dem klassischen Akrobatikbereich kommen. Bei den Künstlern auf und hinter der Bühne handelt es sich natürlich um Meister ihres Fachs, doch bevor sie ihren Weg zu Zirkus und Akrobatik gefunden haben, waren sie Theatermacher, Schauspieler, Tänzer, Turner oder Puppenspieler. Der Neue Zirkus als Genre zeichnet sich ja vor allem durch seine Offenheit aus und seine Vorliebe, verschiedene Formen der Darstellenden Künstle miteinander zu kombinieren. Für eine so vielschichtige Truppe wie die des Cirk La Putyka ist das natürlich ein ideales Umfeld, um sich kreativ zu entfalten. So verwenden sie den Neue Zirkus als Stilmittel, um ihre Geschichten zu erzählen.

 

Und das ist auch die nächste Besonderheit an dieser Kompanie: In ihren Shows möchten sie wirklich Geschichten erzählen. Wir zeigen ja oft Stücke, die sich um ein Thema ranken, das man ästhetisch wiederfinden und vielleicht nachempfinden kann, aber nicht wirklich Stücke, die eine Geschichte erzählen. Das ist hier anders – und das ist auch die größte Herausforderung an MEMORIES OF FOOLS, denn im nonverbalen Theater Geschichten zu erzählen, ist natürlich besonders schwierig.

 

 

Die Spielzeit von MEMORIES OF FOOLS beginnt am 23. Februar und zwar mit Voraufführungen bis zur offiziellen Premiere am 14. März. Was passiert in den Voraufführungen?

 

Voraufführungen sind ein Luxus, den wir uns gönnen, bevor wir die Presse einladen. Die Show ist natürlich bereits mit der ersten Aufführung fertig, aber wie überall im Leben ist ein bestimmtes Maß an Routine und Wiederholung wichtig, um bestimmte Fragezeichen aus dem Weg räumen zu können. Sei es im Lichtdesign, im Sounddesign, bei den Auf- und Abgängen der Künstler, sitzt das Kostüm richtig, oder bleibt man irgendwo Hängen... all solche Geschichten. Gerade ganz neu entstandene Produktionen kommen bei uns doch recht frisch auf die Bühne, zumindest verglichen mit den etwas großzügigeren Probenzeiten im klassischen Theater. Die Previews sind dafür da, die Show sicherer und routinierter zu machen – und den Künstlern die Chance zu geben, sich warmzuspielen, bevor sie vor der Presse auftreten müssen.

 

 

Du meintest, die Zusammenarbeit mit Cirk La Putyka war in der Vergangenheit nicht nur künstlerisch ein Erfolg,  sondern auch auf menschlicher Ebene etwas Besonderes. Was verbindet Euch miteinander?

 

Ich sag mal so, in gewisser Art ist Cirk La Putyka als Kompanie der Struktur des Chamäleons sehr ähnlich. Wir sagen immer, wir sind eine Familie. Keine blutsverwandte Familie, aber die Art der Zusammenarbeit, und die Atmosphäre, die wir pflegen, ist sehr familiär. Bei Cirk La Putyka widerum sind viele Mitglieder tatsächlich blutsverwandt, doch die ganze Truppe ist ein eingeschworener Haufen, der sich allen Widrigkeiten entgegenstellt und fest an die Dinge glaubt, die sie machen. Und das eint uns. Am Ende ist diese menschliche Ebene bei jeder Zusammenarbeit ausschlaggebend: Dass man sich gegenseitig wertschätzt, eine Vision hat und sagt ok, wir probieren zusammen was aus. In dieser Hinsicht waren wir von jeder Kompanie und jedem Künstler, die bei uns auf der Bühne gestanden haben, bisher reich beschenkt.

 

 

Bis zur ersten Show ist es ja nicht mehr Lange. Worauf dürfen sich die Zuschauer denn besonders freuen?

 

Ich glaube, besonders Menschen, die das Fantastische mögen, wird diese Show gut gefallen. Gerade im Neuen Zirkus bedeutet zeitgenössisch oft auch stilistisch eine sehr im Hier und Jetzt angelegte Inszenierung. Die Künstler tragen selten ausgefallene Kostüme, alles ist sehr urban und sehr heutig. Bei MEMORIES OF FOOLS hat man tatsächlich das Gefühl, eine andere Welt zu betreten. Das Bühnenbild, die Kostüme, jedes kleine Details ist dazu da, einen wunderbaren neuen Ort entstehen zu lassen, und dem Zuschauer das Gefühl zu geben, mittendrin zu sein. Es geht darum, die Bühne als ein Fenster ins unendlich Mögliche zu verstehen – in diesem Fall wortwörtlich, denn das Stück dreht sich ja um die Reise in die Unendlichkeit...

 

 

MEMORIES OF FOOLS by Cirk La Putyka spielt vom 23. Februar bis 18. August im CHAMÄLEON Theater. Karten und weitere Infos gibt es hier.

 

 

 

 

Mitmachen & Gewinnen

 

Zum Spielzeitstart von MEMORIES OF FOOLS verlosen wir 3 x 2 Karten für die Vorstellung am Donnerstag, den 28. Februar 2019 um 20 Uhr. Für die Teilnahme am Gewinnspiel einfach eine E-Mail an socialmedia@chamaeleonberlin.com schreiben und folgende Frage beantworten:

 

Worauf freut Ihr Euch bei einem CHAMÄLEON-Besuch am meisten?

 

Einsendeschluss ist der 20. Februar 2019. Hier geht’s zu den Teilnahmebedingungen.

 

Viel Glück!

 

Titelbild: Tomáš Třeštík

Probenbilder: Petr Husička

 
Keine Gewähr auf Vollständigkeit.