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Wir, das CHAMÄLEON: Meet Alexandra Henn

Interview

Die Sonne kommt so langsam wieder länger raus und bringt doch die ein oder anderen Berliner Gesichter zum Lächeln. Ein perfekter Zeitpunkt, mal eine andere Seite des CHAMÄLEONs zu präsentieren. In unserer Reihe „Wir, das CHAMÄLEON“ stellen wir Euch verschiedene Mitarbeiter*innen vor. Nur einige Büros von unserer Bühne entfernt, also wortwörtlich "Hinter den Kulissen", liegen die Büros der CHAMÄLEON Productions, dem künstlerischen Epizentrum unseres Programms. Von hier aus wird gesteuert, was man in Zukunft im Theatersaal  bewundern darf, hier wird aber auch sichergestellt, dass alle Künstler*innen einreisen können und sich hier wohlfühlen.

Aber auch wenn es derzeit keine Zuschauer*innen und keinen Applaus im Theatersaal gibt, sind dort trotzdem immer wieder lokale Künstler*innen zu Gast durch unser Residenzprogramm. Unter anderem für diese Residenzen ist Alexandra Henn mitverantwortlich. Ob Krankenversicherungen für Künstler*innen oder kulturpolitische Arbeit im Bundesverband Zeitgenössischer Zirkus (BUZZ), Alexandra hat immer viel zu tun. Wie schön also, dass sie uns ein paar Fragen beantwortet und uns ihre Arbeit präsentiert.
 
 
Wie lange bist du schon im CHAMÄLEON tätig?
Alexandra Henn (AH): Ich bin seit vier Jahren dabei. Ich wollte unbedingt im Bereich Zeitgenössischen Zirkus arbeiten, da war das Chamäleon für mich eine Selbstverständlichkeit. Ich habe mich also initiativ beworben und habe erstmal zwei Projekte freiberuflich betreut, bevor klar wurde: so schnell werden sie mich nicht wieder los!
 
Wie nennt sich deine Berufsbeschreibung und was genau sind deine Aufgaben im CHAMÄLEON?
AH: Ich bin Referentin der Künstlerischen Leitung Anke Politz und Projektleiterin. Ich begleite vor allem den administrativen Prozess der Produktion mit den Künstler*innenkompanien, Verträge, Visa, Krankenversicherung etc. Ich konzipiere und schreibe auch Förderanträge: oft wundern sich meine Kolleg*innen, dass ich sowas gerne mache! Aber ich liebe es, damit neue Projekte und Ideen zu ermöglichen. Ich kümmere mich auch um das Touring des Stückes RAVEN von still hungry das wir seit Beginn der Entstehung begleiten und produzieren. Die kulturpolitische Positionierung, die Anbindung zur freien Szene und zum Bundesverband Zeitgenössischer Zirkus sind auch wichtige Bestandteile meines Jobs.

  

  

Hat sich durch die Pandemie viel an deiner Arbeit und deinem Arbeitsalltag verändert?
AH: Klar, wie die gesamte Branche musste auch ich umdenken und neue Wege finden. Es ist sehr traurig zu sehen, wie viele Leute ihren Beruf nicht ausüben können und in prekären Situationen sind. Dass Kunst nicht als „systemrelevant“ eingestuft wird, macht mir persönlich zu schaffen. Aber ich sehe auch, dass die Solidarität mit den Künstler*innen und den Zusammenhalt sich verstärkt hat, dass neue Förderprogramme für den Zirkus entwickelt wurden und durch Videokonferenzen die internationale Vernetzung einfacher und wichtiger geworden ist. Das ist erfreulich und sollten wir unbedingt behalten!

In meinem Pandemie-Berufsalltag habe ich mich mit ungeahnten Aufgabefeldern beschäftigt: Hygeniepläne, internationale Einreisebestimmungen, Corona-Tests, Belüftungsanlagen, Verordnungen… man lernt nie aus!

 
Man hat vielleicht von Künstlerresidenzen während der Pandemie im CHAMÄLEON gehört oder gelesen. Was hat es damit auf sich und was hast du damit zu tun?
AH: Irgendwann haben wir gesagt: wir müssen aus dieser Situation etwas machen und Mehrwert schaffen. Wenn wir schon keine Gäste empfangen können, sollten zumindest Künstler*innen den Raum für ihre eigenen Projekte nutzen können! Anke hatte die Idee, freien Berliner Künstler*innen Residenzen bei uns im Probekeller und im Theatersaal anzubieten. So können sie trainieren, sich künstlerisch ausprobieren und an eigenen Kreationen arbeiten. Wir freuen uns total über den künstlerischen Austausch!
 
Du bist ja auch Mitglied im BUZZ (Bundesverband Zeitgenössischer Zirkus). Inwiefern verknüpfen sich BUZZ und CHAMÄLEON Productions? Inwiefern passt es so gut Kulturarbeit bei uns im Theater zu machen?
AH: Anke und ich sind für Chamäleon Productions im BUZZ aktiv, im Städtepool Berlin, aber vor allem in der AG Kulturpolitische Vernetzung. Wir sprechen da für die Szene und repräsentieren den Zeitgenössischen Zirkus vor der Kulturpolitik und Förderinstitutionen, auch im Dialog mit anderen Verbänden (z.B. Bundesverband freie Darstellende Künste, Allianz der freien Künste, Circostrada, Deutscher Kulturrat). Wir organisieren regelmäßige Austauschtreffen mit anderen Zirkusveranstalter*innen und sind Partner von Zirkus On, das im BUZZ Kreationen von deutschen Kompanien fördert. Für das Chamäleon war es immer ein Bestreben, die gesamte Szene und die Kunstform in Deutschland zu stärken, es war für uns also ein logischer Schritt, Kräfte zu bündeln und im Bundesverband einzusteigen!
 
Was ist dein liebster Bestandteil deiner Arbeit?
AH: Der Applaus nach der Vorstellung! Ich genieße es sehr, mit meiner Arbeit einen Teil dazu beizutragen, dass Zuschauer*innen durch die Kunst auf der Bühne etwas Besonderes erleben, dass Künstler*innen neue kreative Impulse teilen und Menschen sich begegnen. Der Applaus als Dankesgeste an die Künstler*innen berührt mich immer wieder aufs Neue.
 
Wenn du deine ganz eigene Show konzipieren dürftest, was würde auf jeden Fall darin vorkommen?
AH: Oha, das ist nicht leicht! Ich bin ja bewusst Kulturmanagerin und keine Künstlerin… aber es würde glaube ich einen ganz ruhigen Moment geben mit zwei Künstlerinnen, die uns mit „Hand auf Hand“ akrobatisch erzählen, wie unverzichtbar der menschliche Austausch ist.
 

 
Wir hoffen, dass wir bald wieder mit Alexandra und vor allem Euch den Applaus nach der Vorstellung genießen können! Bis dahin: Bleibt gesund und besucht uns auf unseren Social Media Kanälen!

  

 

Portrait: Kooné

Titelbilder: Lucia Gerhardt

 
Keine Gewähr auf Vollständigkeit.