Zwei facettenreiche Besuchermagneten – ein Standort

CHAMÄLEON Theater und Hackesche Höfe sind nicht nur topographisch, sondern auch historisch betrachtet eng miteinander verbunden. Wer sich aufmacht, dem berlintypischen Herzschlag nachzuspüren, dem sei daher neben einem Besuch unseres Hauses auch ein Spaziergang durch das gründerzeitliche Hofareal empfohlen.

In Deutschlands größtem geschlossenen Hofkomplex, dessen glanzvolles Kleinod der einstige Vorzeige-Ballsaal und unsere heutige Bühne für den Cirque Nouveau ist, gibt es viel zu entdecken.

Seinen Standort hat das bei Touristen und Berliner Spaziergängern gleichermaßen beliebte Location-Duo im wohl besterhaltenen Stadtteil Alt-Berlins: der Spandauer Vorstadt, zu der auch das sogenannte Scheunenviertel gehört. Deren Ursprung reicht bis ins Mittelalter zurück. Heutzutage ist sie ein ausgedehntes Flächendenkmal mit facettenreicher Kiezkultur.

Aber bevor es losgeht noch ein kleiner Tipp zum Thema Theaterkarten Berlin: Wenn nicht online bereits geschehen, kann man sich zu Beginn des Rundgangs durch den malerischen Hofkomplex ein Ticket für unsere Show auch an unserem Kassenhäuschen sichern. Dieses findet man direkt im Durchgang zu Hof I, also ganz dicht am Theatergebäude. 

Hackesche Höfe

Stadt und Natur in Baukunst vereint   

Insgesamt gibt es acht Hackesche Höfe. Ein quicklebendiges Hinterhofgeflecht mit ausgeprägter Tradition. Durchwirkt ist das in den Jahren 1906 – 1907 errichtete Areal mit Kultureinrichtungen, inhabergeführten Ladengeschäften und Manufakturen, aber auch Cafés und Restaurants sowie Büros und Wohnungen.

Der spektakulärste von ihnen dürfte sicherlich Hof I sein. Betritt man ihn, verebbt nicht nur der Straßenlärm, sondern es strahlen einem die vornehmlich in Weiß und Blautönen glasierten Jugendstilklinker an den Fassaden der umstehenden Häuser entgegen. Rot-braun-grün sind die Außenwände der dazugehörigen Treppenhäuser gehalten. Es scheint fast so, als sei mit der Farbauswahl die Natur in die Stadt geholt worden. Statt historistischem Pathos setzt die Gestaltung auf Eleganz und Klarheit. Geometrische Formen dominieren das Innenhofpanorama. Ergänzt werden sie von weiß-gerahmten Fenstern in etlichen Variationen.

Gestaltet wurden die  Fenster in Hof I und II vom legendären Jugendstil-Architekten August Endell. Dazu im ersteren alle Fassaden sowie die beiden repräsentativen gastronomischen Einheiten im vorderen und hinteren Bereich. Außerdem entwarf der Ästhet und Design-Philosoph die drei Festsäle in Hof 1 nebst den Treppenhäusern im linken Seitenflügel, die u.a. zum Eingang unseres Theaterfoyers führen.

Zwei dieser ehemaligen Gesellschaftsräume sind heute noch erhalten: Den kleinsten von ihnen, rechts im Erdgeschoss, nutzt die Askania Uhrenmanufaktur als Showroom für ihre Produkte. Auf der gegenüberliegenden Hofseite, im prächtigsten der noch existierenden Festsäle, residiert heute das CHAMÄLEON Theater.

In seiner Gesamtheit geplant und realisiert wurde das Projekt Hackesche Höfe Berlin seinerzeit vom Architekten und Bauunternehmer Kurt Berndt. Er war es wohl auch, der August Endell mit den prestigeträchtigsten Arbeiten betraute. Grund für die kostspielige Erbauung des gesamten Quartiers waren übrigens die verlockenden Gewinnaussichten angesichts der schon damals boomenden Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung in der Spreemetropole. Auf etwa 24.000 Quadratmetern verteilt über diverse Etagen wurden die Voraussetzungen für die konzeptionelle Mischung aus Wohn- Gewerbe- und Handelsflächen einschließlich kompatibler Stockwerkfabriken gelegt. 

Kaleidoskop der Geschichte und Gegenwart

Schon immer spiegelte sich in den Geschicken des Quartiers Hackesche Höfe auch die lokale und gesamtdeutsche Geschichte: In Zeiten wirtschaftlichen Wohlergehens wurden unter seinen Dächern Waren und Dienstleistungen aller Art offeriert. Es wurde gestaltet, gefertigt, gewohnt und gelebt. Quasi von Beginn an bot das Areal Hackesche Höfe Jüdischer Kultur und intellektueller Gegenöffentlichkeit eine Heimstätte. Jahrzehnte später dann wurde mit nachbarschaftlichem Engagement um den Erhalt der Höfe gerungen, ein Denkmalschutzschirm aufgespannt, alternative Wohn- und Arbeitsformen ausprobiert, Kultur- und Nutzungsstrategien erdacht, exzessive Partys gefeiert, Events veranstaltet, Filme gedreht und mit Hingabe an der Rekonstruktion und Modernisierung des Quartiers gefeilt.    

Doch auch die Schattenseiten der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Dekaden haben ihre Spuren hinterlassen: Sichtbar etwa an den Stolpersteinen vor den Hofeingängen, die an die Auslöschung eines Teils ihrer Bewohnerschaft erinnern, aber auch an den nicht vollständig verheilten Wunden der Bausubstanz. Komplexe Eigentums- und  Enteignungsdramen gehören ebenso zur Historie des Hofgeflechtes wie Spekulations- und Verdrängungsmiseren.

Hackesche Höfe Berlin: Wer eintaucht in diese Welt voller Gegensätze, der wird beim Schlendern mit wunderbaren Überraschungen, aber auch einem tieferen Verständnis für deren architektonische Highlights und spannende Geschichte belohnt. 

CHAMÄLEON Theater

Eine Heimstätte für den Neuen Zirkus

Schon das Betreten des Treppenaufgangs im linken Seitenflügel des ersten Hofes zum CHAMÄLEON, Deutschlands Spielstätte Nummer Eins für den Cirque Nouveau, mit seinem floral-geschwungenen Geländer und den ornamentgeschmückten Stützpfeilern, ist Jugendstil-Genuss pur. Zur Theaterbühne geht es hinauf in die erste Etage.

Hat sich der Gast erst seiner Utensilien an der Garderobe im Foyer entledigt und der langgestreckten Theaterbar den Rücken zugewandt, wird er von dem wunderschönen Ambiente des ehemaligen Festsaals begrüßt: Hier präsentiert das CHAMÄLEON Theater Berlin seine unverwechselbaren Shows rund um den zeitgenössischen Zirkus.

Vergleichbar mit der gesamten Anlage hat auch die CHAMÄLEON-Etage im Laufe der Geschichte unterschiedliche Nutzungen erfahren. Diente sie anfänglich noch als Festsaal für die Ausrichtung von Familien- und Vereinsfeiern, wurde sie nachfolgend zum Kinosaal umgebaut und fungierte in den 50er bis 70er Jahren unter anderem als Lagerstätte. Zwischenzeitlich fand der Saal sogar als TV-Probebühne Verwendung. Wenn auch der Gebäudetrakt den Zweiten Weltkrieg relativ unbeschadet überstanden hatte, trugen die verschiedenen Umnutzungen im Laufe der Zeit erheblich zu dessen desolatem baulichen Zustand bei.

Nach dem Fall der Berliner Mauer öffnet 1991 erstmals das Chamäleon Varieté seine Pforten, als Bühne für ein einzigartiges, immer überraschendes Kleinkunst-Off-Programm. Die Fangemeinde wächst rasant und strömt in die 1994 komplett sanierten Hackeschen Höfe.

Mit Übernahme des Spielortes durch die CHAMÄLEON Theater GmbH im Jahr 2004 und der Neuausrichtung auf das Genre Neuer Zirkus fand dann eine denkmalgerechte Teilsanierung des historischen Saals statt. Oberstes Ziel war es, Anmut und Charakter des Bestandes zu wahren ohne dabei einen historisierenden Neubau zu schaffen. Später wurde das CHAMÄLEON Stück um Stück durch die Installation einer Klimaanlage sowie der Erneuerung der gesamten Technik und des Barbereichs zu einer Kultureinrichtung ausgebaut, die auch höchsten Ansprüchen Rechnung trägt. Da in die Jahre gekommene Bauwerke der beständigen Zuwendung bedürfen, wurden im Jahr 2015 obendrein das historische Eichenparkett im Theatersaal und die sich seit den goldenen Zwanziger Jahren im Dornröschenschlaf befindlichen Balkone aufwendig in Stand gesetzt.

Das Ergebnis lässt sich sehen: Frischer Glanz und beste Theatervoraussetzungen für die nächsten 100 Jahre. Den vorläufigen Abschluss der Frischzellenkur bildete 2016 die Anschaffung von 44 neuen LED-Scheinwerfern und Zusatzequipment, um für nachhaltige Energieversorgung bei den spektakulären Lichtshows zu sorgen und dabei technisch auf dem neuesten Stand zu bleiben.

 
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