Zur Übersicht
Spielzeiten

BELLO! Gedanken des Regisseurs

Schönheit ist keine Antwort, sondern eine Wunde.
Etwas, das plötzlich kommt, dich durchdringt und nicht um Erlaubnis fragt.
Es tröstet nicht. Es beruhigt nicht. Es verunsichert.

Bello! entstand aus diesem Gefühl: ein Wort, zu oft wiederholt, bis es leicht und leer wurde, bis es zu Lärm verkam. Ein Wort, mit dem wir urteilen, Dinge verschließen, aufhören zu fühlen. Lasst uns versuchen, es wieder zu öffnen. Es fallen zu lassen. Dem Klang zu lauschen, den es erzeugt, wenn es nichts mehr bedeutet.

Eine Nahaufnahme aus dem Probenraum: Die Artist*innen bilden eine Körperskulptur. Sie klettern aufeinander, greifen sich an Händen und Schultern, bis nicht mehr zu erkennen ist, welche Arme zu welchem Körper gehören.

Auf der Bühne sind junge Körper, verletzlich, unvollkommen. Sie fallen, stützen einander, werden zu temporären Gebilden. Es gibt keine Maschinen, oder fast keine. Nur das Wesentliche: Beziehung. Die Gruppe als lebender Organismus – zerbrechlich und kraftvoll –, fähig zu dem, was kein einzelner Mensch je allein vollbringen könnte. Dort geschieht etwas. Dort kann Schönheit erscheinen.

Bello! ist ein Ausruf, keine Gewissheit.
Es ist der Moment, in dem uns etwas überrascht, bevor wir Zeit haben, es zu beurteilen.
Es ist ein Gleichgewicht, das nur einen Augenblick währt und dann verschwindet.

Es ist ein Lachen, das dort entsteht, wo wir es nicht erwartet haben.

Wenn etwas an diesem Werk Bestand hat,
dann ist es nicht der Erfolg.
Es ist die Aufmerksamkeit.
Es ist eine kurze Störung.
Das Gefühl, für einen Moment gemeinsam wach gewesen zu sein.

Sechs Artist*innen bilden eine Reihe, mit ihren Händen greifen sie nach der Person vor ihnen. Eine Künstlerin im Zentrum schaut lächelnd auf die Künstler hinter ihr zurück.

Ich war nicht daran interessiert, eine schöne Show zu machen.
Ich war daran interessiert zu verstehen, wann wir aufgehört haben, Schönheit wahrzunehmen, wann wir sie verblassen ließen, langsam, durch Vernachlässigung – begraben unter Überfluss, Gewohnheit und dem Drang, „Ich mag es“ zu sagen.

Für mich ist der Zirkus der ideale Ort, um dieser Frage nachzugehen. Der Zirkus gibt sich nicht verstellt. Das Risiko ist real. Der Schweiß ist real. Das Vertrauen ist real. Jede Geste ist ein stiller Pakt zwischen den Akteur*innen und den Zuschauenden.

Und in diesem Pakt steht alles auf dem Spiel: Ethik vor Ästhetik, Notwendigkeit vor Form.

– Francesco Sgrò, Regisseur von Bello!

Szene aus dem Probenraum: Im Vordergrund Regisseur Francesco Sgro in schwarzem Shirt und runder, schwarzer Brille, er schaut nach unten. Verschwommen im Hintergrund proben die Artist*innen eine Hebefigur.

Fotos: Luca Quaia